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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Bauen und Bauten auf Papier

Service

Bis 30. September im Archi­tek­tur­schau­fens­ter, Waldstraße 8, geöffnet Montag bis Donnerstag, 9 bis 12 und 14 bis 16 Uhr, Freitag, 9 bis 12 Uhr; zusätzlich Samstag, 17. September, 12 bis 16 Uhr. - www.archi­tek­tur­schau­fens­ter.de

 

Das Archi­tek­tur­schau­fens­ter thema­ti­siert die Re­stau­rie­rung histo­ri­scher Bauakten


Wie Karlsruhe im Jahr 1900 ausse­hen ­sollte

Beispiel­haft werden in der neuen Ausstel­lung im Ar­chi­tek­tur­schau­fens­ter drei ganz unter­schied­li­che Bauwer­ke her­aus­ge­grif­fen: Die ehemalige Durlacher Marga­ri­ne­fa­brik, die ka­tho­li­sche Notkirche in der Weststadt und die Reithalle für Prinz Maximilian. Sie zeugen vom wirtschaft­li­chen Aufschwung und bau­li­chen Erwei­te­run­gen der Residenz­stadt um 1900 - aber auch von den Schwie­rig­kei­ten, ein Bauprojekt gegen den Willen der Be­völ­ke­rung durch­zu­set­zen: Die Reithalle blieb trotz detail­lier­t ­aus­ge­ar­bei­te­ter Pläne Projekt. Übrig blieben von ihr, wie auch von der längst durch die neogo­ti­sche Bonifa­ti­us­kir­che ersetz­ten Not­kir­che und der durch Flieger­an­griffe beschä­dig­ten ­Mar­ga­ri­ne­fa­brik, Pläne. Von Archi­tek­ten­hand auf Papier und Per­ga­min gezeichnet, von Hand koloriert und gelegent­lich ­er­gänzt, erzählen die ab 1860 fast vollstän­dig erhaltenen Pläne von Karlsruhes Bauge­schichte um 1900. Ihr Erhal­tungs­zu­stand ist aber auch Spiegel ihrer fortwäh­ren­den Benutzung. Sobald eine ­bau­li­che Verän­de­rung ansteht, werden die bis vor kurzem im Bau­ord­nungs­amt lagernden Pläne konsul­tiert, die tradi­tio­nell zu einer handlichen Akte im A4-Format gebunden waren. Da Pläne ­meist deutlich größer sind als ein Schreib­blatt, wurden sie oft mehr­fach geknickt; das häufige Auf- und Zufalten ist aber Grund für ihren vielfach desolaten Zustand. Risse und Brüche, Verschmut­zun­gen und die Zersetzung säure­hal­ti­gen Papiers setzen den oft künst­le­risch wertvollen Plänen zu.

In vordi­gi­ta­ler Zeit entstanden allein für Karlsruhe mehr als 16 000 Bauakten, die zwischen­zeit­lich ins Stadt­ar­chiv überführ­t wur­den. Seit 2014 werden sie dort gereinigt, konser­viert und re­stau­riert sowie anschlie­ßend digita­li­siert.

Die von den Restau­rie­rungs- und Konser­vie­rungs­schrit­ten er­zäh­len­den Präsen­ta­ti­ons­ta­feln werden ergänzt um zwei Vitrinen, in denen das Werkzeug des Restau­ra­tors erläutert sowie drei un­ter­schied­li­che Original-Pläne präsen­tiert werden. Dafür wähl­ten die Kuratoren als äußeren Rahmen die Indus­tria­li­sie­rung und illus­trie­ren sie am Beispiel dreier markanter Bauwerke: dem Gas­werk, der Hochbahn zum Kiestrans­port im Rheinhafen und dem IWKA-Gelände entlang der Brauer­straße. Dort, wo sich heute das ZKM und auch die General­bun­des­an­walt­schaft befinden, entstan­den nach 1910 zahlreiche Hallen, wobei der Plan von Philipp Jakob Manz ein kleines Kuriosum ist, denn er verbindet Lageplan, Grundriss und schema­ti­sche Ansichten.

Um weiterhin aus den histo­ri­schen Plänen lesen und die Stadt­ge­schichte dadurch lebendig halten zu können, braucht es aber nicht nur das Können der Restau­ra­to­ren, sondern auch ­fi­nan­zi­elle Mittel: Bis 2024 soll das auf knapp eine halbe ­Mil­lion Euro veran­schlagte Projekt laufen. Deshalb kann jeder zum Paten werden; ab 50 Euro gibt es neben Urkunde und S­pen­den­quit­tung auch ein kleines Dankeschön. Chris Gerbing

Badische Neueste Nachrich­ten | Karlsruhe | KULTUR IN KARLSRUHE | 14.09.2016