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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Objekt des Monats Februar bis März 2016

Erläu­te­run­gen zum Objekt des Monats

Unter der Rubrik "Objekt des Monats" wird viertel­jähr­lich im Stadt­ar­chiv, Stadt­mu­seum und Pfinz­gau­museum ein ausge­wähl­tes Exponat vorge­stellt.

Dieses Objekt wird im jeweiligen Haus präsen­tiert und kann vor Ort angeschaut werden.


Stadtarchiv Karlsruhe 7/Nl Gräff 3/1

Stadtarchiv Karlsruhe 7/Nl Gräff 3/1



Stadtarchiv Karlsruhe 7/Nl Gräff 3/2

Stadtarchiv Karlsruhe 7/Nl Gräff 3/2



Blick auf den Shinto-Schrein mit den beiden "Löwen" im Japangarten, ca. 1927. Stadtarchiv Karlsruhe 7/Nl Gräff 14

Blick auf den Shinto-Schrein mit den beiden "Löwen" im Japangarten, ca. 1927. Stadtarchiv Karlsruhe 7/Nl Gräff 14


 

Deutsch-japani­sche Völker­ver­stän­di­gung

Die Entste­hungs­ge­schichte des japani­schen Gartens in Karlsruhe ist heute nicht mehr genau rekon­stru­ier­bar, aber vermutlich im Zeitraum 1913/14 anzusie­deln. Damit ist er einer der ältesten Deutsch­lands. Die damalige Garten­an­lage veränderte sich im Laufe der Zeit mehrfach und wurde immer wieder durch Schen­kun­gen aus Japan ergänzt, so auch 1927 durch einen Schinto-Schrein mit zwei so genannten Komainu (Schutz­lö­wen) und einem Torii (Torbogen). Angeregt und maßgeblich in die Wege geleitet wurde diese Schenkung durch den gebürtigen Karls­ru­her Prof. Dr. Siegfried Gräff, der zuvor zwei Jahre in Japan gelebt und gearbeitet hatte.

Siegfried Gräff wurde am 22. März 1887 in Karlsruhe als Sohn des Buchhänd­lers Wilhelm Gräff geboren und studierte ab 1905 an verschie­de­nen deutschen Univer­si­tä­ten Medizin. Er war Pathologe und arbeitete nach seiner Promotion 1912 vor allem am Patho­lo­gi­schen Institut der Albert-Ludwigs-Univer­si­tät Freiburg, wo er im Juni 1917 in den Fächern allgemeine Pathologie und patho­lo­gi­sche Anatomie habili­tiert wurde. Ab 1921 war er am Patho­lo­gi­schen Institut der Univer­si­tät Heidel­berg tätig und wurde dort noch im gleichen Jahr zum Professor ernannt. Im Dezember 1922 erhielt er dann den Ruf der japani­schen Univer­si­tät Niigata und arbeitete dort von 1923 bis 1925 als Gastpro­fes­sor am Patho­lo­gi­schen Institut. Siegfried Gräff war damit ein inter­na­tio­nal anerkann­ter Wissen­schaft­ler und Pathologe, dem 1929 die Leitung des Patho­lo­gi­schen Instituts des Allge­mei­nen Kranken­hau­ses Hamburg-Barmbek übertragen wurde, außerdem lehrte er an der medizi­ni­schen Fakultät der Univer­si­tät in Hamburg. Er starb 1966 in Burgberg (heute Ortsteil der Gemeinde Königsfeld im Schwarz­wald).

Gräffs Kontakte und sein bis nach Japan reichender guter Ruf ermög­lich­ten es, dass der Schrein und auch die Schutz­lö­wen von Künstlern aus der Stadt Nagoya gefertigt wurden. Die japanische Stadt übernahm die Kosten dafür, sodass Karlsruhe nur die Material- und Trans­port­kos­ten zu tragen hatte. Mit dem Schiff wurden die Kunst­wer­ke schließ­lich nach Karlsruhe gebracht und im Herbst 1927 im Japan­gar­ten aufge­stellt. Zu der aufwändig geplanten Übergabe des Schreins an die Stadt, zu der dank Siegfried Gräff zahlreiche japanische Vertreter geladen waren kam es jedoch nicht mehr. Der badische Staats­prä­si­dent Heinrich Köhler hatte seine Teilnahme überra­schend zurück­ge­zo­gen, nachdem in der Presse fälsch­li­cher­weise behauptet worden war, dass der Schrein auch geweiht werden sollte. Zunächst wollte man die Veran­stal­tung daraufhin nur verschie­ben, letztlich fand sie dann aber nicht mehr statt. Der Stadt Nagoya wurden zum Dank Fotos des aufge­stell­ten Schreins übersendet, die beiden Künstler erhielten Kunstwerke der Majolika.

Der nur wenige Dokumente umfassende Nachlass von Prof. Dr. Siegfried Gräff dokumen­tiert eindrück­lich seine Bemühungen und er wird darin immer wieder auch von höchster Ebene für seinen gelungenen Beitrag zur deutsch-japani­schen Völker­ver­stän­di­gung gelobt. Die Briefe und Fotos gelangten im Jahr 2014 durch eine private Schenkung in das Stadt­ar­chiv und fanden bei der Erstellung des Buches "Der Japan­gar­ten in Karlsruhe" von Horst Schmidt erstmals Verwendung. Nun wurden sie auch der breiten Öffent­lich­keit zugänglich gemacht.

Lisa Hauser