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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Einblicke ins "Gedächtnis der Stadt"

Führungen zu Demokratie und Bürger­rech­ten
Stadt­ar­chiv beteiligt sich am "Tag der Ar­chi­ve"

Von unserer Mitar­bei­te­rin Martina Erhard
Nur zu besonderen Gelegen­hei­ten kann man als Besucher des Stadt­ar­chivs einen Blick in die Magazine dieser Einrich­tung er­gat­tern: Der Tag der Archive, eine bundes­weite Aktion, die alle zwei Jahre vom Verband der Archi­va­rin­nen und Archi­va­re ­ver­an­stal­tet wird und am Samstag seine neunte Auflage erlebte, war eine solche Gelegen­heit. Das Stadt­ar­chiv, das sich als ein­zi­ges Karlsruher Archiv an diesem Aktionstag, der unter dem Motto "Demo­kra­tie und Bürger­rech­te" stand, beteiligte, hatte ein span­nen­des Programm zusam­men­ge­stellt. Bei Führungen durch die Ma­ga­zine präsen­tierte das Team um Einrich­tungs­lei­ter Ernst Otto ­Bräun­che Archi­va­lien zu den Themen.
Los ging es mit einer Führung durch die Ausstel­lung "Vor 50 Jahren - Mit Horst Schlesiger durch das Jahr 1968" (siehe Ar­ti­kel unten). "Diese Ausstel­lung passt zum Motto", meint ­Bräun­che, denn "Proteste und Demons­tra­tio­nen dieser Zeit gingen als die 68er-Bewegung in die Geschichte ein". Unter dem Motto "Orte der Demokra­tie­ge­schich-te" führte Archiv­mit­ar­bei­ter Eric Wy­chlacz durch die Magazin­räume: "Die Temperatur hier beträgt 18 Grad, die Luftfeuch­tig­keit liegt bei konstant 50 Prozent", erklärte er, ehe er die Aufmerk­sam­keit auf histo­ri­sche Akten lenkte. "Das sind die Original-Stadt­rech­nun­gen aus den Jahren 1820 und 1821", erklärte er und las ein Schreiben vor, mit dem sich Bauar­bei­ter beschwer­ten, dass die letzte Abschlags­zah­lung ­sie­ben Wochen zurück­liege - weshalb sie eine Zahlung in Höhe von 4 000 Gulden forderten.
Bei der Führung von Ernst Otto Bräunche ging es um die "­Karls­ru­her Stadt­ratspro­to­kol­le". "In unserem Archiv befin­den ­sich 13 aus dem 18. Jahrhun­dert", erklärte er. Sie galten lange als verschol­len und sind erst 1985 wieder aufge­taucht. "Sie ­be­fan­den sich unter den Grund­bü­chern der Stadt und wurden ­zu­fäl­lig entdeckt", so Bräunche. In den Proto­kol­len könne man er­ken­nen, wie sich aus dem Stadtrat eine Stadt­ver­wal­tung ­ent­wi­ckelt habe, erklärte er und nannte als Beispiel den "­Brot­wie­ger". Dieser hatte der die Aufgabe, zu kontrol­lie­ren, dass die Bäcker Brot in der richtigen Menge lieferten.
Im Lesesaal des Stadt­ar­chivs waren auch Plakate und Exponate zu sehen, die auf eine Ausstel­lung im Stadt­mu­seum hinwiesen, die dort ab 27. April gezeigt wird: "Es ist eine Preview zur Aus­stel­lung 'Bewegt euch: 1968 und die Folgen in Karls­ru­he'", erklärte Stadt­his­to­ri­ker Volker Steck. Ein Plakat zum In­ter­na­tio­na­len Frauentag 1995 etwa warb mit dem Slogan "Her mit dem ganzen Leben!" Ebenfalls im Lesesaal stell­ten Ar­chiv­mit­ar­bei­te­rin Katja Schmalholz und Volker Steck die di­gi­ta­len Angebote des Stadt­ar­chivs vor.
"Das Motto des Tags der Archive passt gut Karlsruhe", stell­te ­Bür­ger­meis­ter Albert Käuflein fest. Als Beispiele nannte er die Stadt­grün­dung, bei der Neubürgern bereits Bürger­rech­te ­zu­ge­si­chert wurden. Auch die Badische Verfassung von 1818 habe erste Grund­rechte enthalten, so Käuflein. Er wies darauf hin, dass Archive nicht nur Orte der Aufbe­wah­rung, sondern auch der For­schung seien. Dabei nannte er das "Gedenk­buch für die er­mor­de­ten Karlsruher Juden" als vorbild­li­ches Projekt. Das Stadt­ar­chiv biete einen authen­ti­schen Zugang zur Geschichte und sei als "Gedächt­nis der Stadt" wichtig für den "Schutz vor Fake News".

Badische Neueste Nachrich­ten | Karlsruhe | KARLSRUHE | 05.03.2018

 

IM MAGAZIN des Stadtarchivs erklärt Eric Wychlacz den Besuchern, was es mit den "Orten der Demokratiegeschichte" auf sich hat. So zeigt er ihnen unter anderem eine Akte, in der die Stadtrechnungen aus den Jahren 1820 und 1821 enthalten sind. Foto: jodo

IM MAGAZIN des Stadtarchivs erklärt Eric Wychlacz den Besuchern, was es mit den "Orten der Demokratiegeschichte" auf sich hat. So zeigt er ihnen unter anderem eine Akte, in der die Stadtrechnungen aus den Jahren 1820 und 1821 enthalten sind. Foto: jodo